Wenn Fernsehen zur Strafe für den Zuschauer wird. World, wide, bitte geh weg.

Die Lieblingsprivatsender unserer
Nation drohen uns momentan mal wieder mit der Überflutung unserer
gemütlichen Fernsehinsel in den Abendstunden. Sie schicken eine
Welle von Spielshows mit humoristischer Attitüde und Reisesendungen
mit rothaarigen Rojinskis gen heimischen Wohnzimmertisch. Diese Welle
reißt mich mit Ungläubigkeit und Fremdscham von meinen vier
Buchstaben ( S, o, f, a ) und ich werde vom Gehirn als
Schutzmechanismus in das Reich der Ohnmacht entführt.
von Swiss Plus AG (www.swissplus.net)via Wikimedia Commons
Bei soviel Sinnlos-Fernsehen frage ich
mich, auf den harten Dielen erwacht und wieder zu Bewusstsein
erlangt, was eigentlich zuerst da war: der Z-Promi oder die Show-Idee
eines Redakteurs, der mich für völlig unzurechnungsfähig hält.
Schafft man die freien Promikandidatenplätze als
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für talentlose Hupfdohlen oder
existieren diese „total verrückten“ Einfälle zuerst und dann
fällt den Produzenten auf, dass es ja gar nicht soviele Prominente
wie Prominentenspeziale gibt? Um dann nicht jeden C-Promi doppelt zu
besetzen (und die meisten haben dann doch etwas wichtigeres zu tun
haben, als sich mit Kindergeburtstagsspielen auf einer schrägen
Bühne zu blamieren) werden dann Ex-ex-ex- Bachelorkandidaten und
Spielerfrauen verpflichtet, um die leeren Plätze zu füllen. Diese
hüpfen dann, als seien sie auf enthemmenden Drogen, über meinen
Fernsehbildschirm und sind sich für nichts zu schade.
Wenn Palina Rojinski in Leggins, die so
hässlich sind, dass sie den Sehnerv nachhaltig schädigen und
orangefarbenem Wuscheldutt über Island stolpert, fragt man sich, wer
diese Frau ins Fernsehen bringen wollte. Vielleicht war sie die
einzige, die sich nicht zu schade dafür war, so offensichtlich
gestellte Absurditäten vor einer Kamera zu machen (oder warum sollte
ein Autoverleiher einen konservierten Penis, der eigentlich einem
Museum gehört, in seinem Whitney-Houston-Wagen mit sich
herumfahren?).
Und dem Übel nicht genug, muss Fernsehdeutschland sie
nicht in einem oder zwei Formaten ertragen, nein. Da wird mal wieder,
wie so häufig im TV, maßlos übertrieben und die Frau in zig
Formaten gleichzeitig vor die Linse gezerrt. Was sie genau für einen
Beitrag bei Circus Halligalli leistet, warum sie auch noch eine
Datingshow mit Männern in Tierkostümen moderiert oder sie sich in
einer Show namens „World, wide, weg“ blamieren muss, soll mir mal
einer erklären. Das ist nicht lustig, sondern traurig, wenn eine
erwachsene Frau nach einem Hashtag winselt und Facebook hinterher
trauert.
Ruter – public transport(https://twitter.com/Ruter) [Public domain],via Wikimedia Commons

Wenn Palina Rojinski meint, dadurch einen Ruhm erlangen zu
wollen, auf den sie stolz ist, in Ordnung. Aber ich möchte nicht
vorwurfsvoll angesehen werden, warum ich denn die neue Powerfrau
nicht superhip finde. Wer sich öffentlich im Fernsehen übergibt,
kann von mir keinen Respekt erwarten. Das ist banale Belustigung über
die niedersten Instinkte.

Ich saß
einmal (aus Jux und Tollerei) im Publikum bei der Show „Clash,
Boom. Bang!“. Der Name sagt schon sehr viel über diese Sendung
aus.. Ich musste Sarah Dingens und Jay von US5 über mich ergehen
lassen, wie sie aufmerksamkeitsgeil die, wenn auch mitleidigen,
Blicke genossen. Höhepunkt dieses Gruselspektakels war ein Spiel, in
dem Männer „aus dem Publikum“ mehreren nackten Frauen die
Schokolade von den Brüsten lecken mussten. Wie krank muss man sein,
sich so etwas auszudenken, wie armselig muss eine Frau sein, dass mit
sich machen zu lassen, wie schamlos muss ein Mann sein, um da
mitzuspielen. Und, liebe ß-Promis, kann man wirklich so nach
Anerkennung und Aufmerksamkeit geifern, dass man diese Spielchen
mitspielt?
Ich will dieses Elend nicht mehr sehen.
Lieber ein paar mehr echte Menschen mit
echten Talenten, oder Personen, die mit ein bisschen mehr Eleganz
ihre Sucht nach Aufmerksamkeit befriedigen, würde dem TV seinen Reiz
ein wenig zurückgeben können.

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