Verstörende männliche Pathetik.

Kitschige Liebeserklärungen und vor
Pathetik triefende Metaphern schreibt man im ersten Augenblick eher
der Damenwelt zu. Was ich allerdings schon für dramatische, ja schon
theatralische Momente mit mir lieben Männern hatte, ist kaum zu
überbieten.
Bühnenreif, wie ein Moralprediger im
Staatstheater, bäumten sie sich vor mir auf und erklärten mir mit
ihrer allübergreifenden Weisheit das Leben. Das dachten sie auf
jeden Fall. Dass sie ihre Beziehungen hauptsächlich einfach nur mit
Problemen belasteten und mich etwas ratlos und verwirrt zurückließen,
sahen sie natürlich nicht.
von Phrontis (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], 
Nach meinem ersten Kuss sprang meine
erste Kompliziertheit wie von der Tarantel gestochen auf, sah mich an
und sagte: „Franziska, wir dürfen das nicht. Das ist nicht gut für
mich… (bedeutungsschwangere Pause)… Das ist nicht gut für
dich… (bedeutungsschwangerere Pause)… DAS, ist nicht gut für
uns.“ Ich weiß nicht wie irritiert ich geschaut habe, aber ich
vermute, dass es auf einer Skala von eins bis zehn eine sprachlose
zwölf war. Denn es gab keinen triftigen Grund, dass dieser Kuss nun
der Untergang der Erde war. Er dachte einfach schon wieder viel zu
weit in die Zukunft. Malte sich Szenarien aus, die vielleicht hätten
passieren können. Und das zerstörte schlicht das, was hätte sein
können. Warum zerdenken einige Männer diese schönen Momente, diese
zärtlichen Anfänge von etwas, dass ihnen Schönheit in ihr Leben
bringen könnte?

Anstatt es keimen und wachsen zu lassen, wird es
schon im Vorhinein zerstört, aus Angst, die Blume verblühe
irgendwann. (Auch mal eine pathetische Metapher, vielleicht verstehen
mich die Männer dann?)

Da wird sich in Pose geschmissen, die
Hände gen Himmel gestreckt und der Frau, die man doch eigentlich
sehr gern hat, eine derartig widerliche Pathetik vor die Füße
geworfen, dass sie nur noch verständnislos verstummt. Und meistens
geht.

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