• Gesellschaft

    Hallo Sigmund, kleiner Schmusekater! Du schlaues und süßes Tier …

    Mein Freund und ich haben vor drei Wochen eine sehr gute Entscheidung getroffen. Wir haben einem 12 Jahre alten Kater aus dem Tierheim ein neues Zuhause gegeben. Das kleine Wesen war bei den anderen Katzen-Interessenten nicht sehr beliebt, war seine Krankengeschichte doch eher keine Novelle. Diabetes, Nierenprobleme und ein bisschen kahl, ist scheinbar nicht das gesuchte Portfolio der Tierheimbesucher. Ich bin ehrlich, die ersten zwei Tage waren wirklich kein Zuckerschlecken. Da wurde gefaucht, einem der Zugang zum Flur versperrt und hinterm Sessel gegrummelt. Vor Staubsaugern und Stiefeln hat der Kleine immer noch panische Angst, doch ansonsten pest er gar nicht mehr über die Dielen rutschend durch die Wohnung. Nein. Er ist ein ganz besonderer…

  • Berlin,  Gesellschaft

    Zehn Minuten Berlin

    Der Wind weht lau an diesem Freitagmorgen. Die Sonne verheißt einen flirrendwarmen, sommerlichen Tag. Ich nehme den Weg durch den angrenzenden Park, denn ich möchte an diesem unschuldigen Morgen die mehrspurige Hauptstraße und das besetzte Haus auf der linken Seite umgehen.  Auf dem Platz vor dem Park begegne ich einem Obdachlosen. In seiner Wange, seinem Kinn und seinen Nasenflügeln hat er münzgroße Löcher. Er liegt nicht auf sondern hinter seiner Stammparkbank auf dem steinigen Boden. Er beobachtet die vorbeiziehenden Wolkenfelder, doch sein Gesicht sieht man kaum, denn seine schwarzen Dreadlocks hängen ihm tief ins Gesicht. Trotz der milden Temperaturen hat er seine dunkle Wollmütze bis zu den Augen heruntergezogen. Auf…

  • Weihnachten

    Sag, Weihnachten: Verschwindest du nur von den Straßen oder auch aus unseren Gedanken?

      Weihnachten ist das Fest das unsere Sinne in watteweiche Schneeflöckchen und knisterndes rotes Geschenkpapier verpackt. Die geschmückten Fenster und Läden strahlen in die eisige Nacht hinein und der Duft von Zimtplätzchen und Lebkuchen steigt uns in die Nase. Die Wohnungen sind erfüllt von dem erdigen Geruch der drapierten Tannenzweige und den Lichtschalter betätigen wir so gut wie gar nicht mehr; wir haben ja Kerzen. Flackernd betrachten wir ihren Schein, während wir Weihnachtskarten und -briefchen an unsere Lieben schreiben.   Doch Stopp. Ich bin in Berlin. Ich habe mir zwar eine kleine weihnachtliche Oase in meinen vier Wänden geschaffen, doch setze ich einen Fuß vor die Tür ist jeder Anflug…

  • Berlin,  Gesellschaft,  Mode

    Euer Hochmut steht euch genauso schlecht wie eure Kopfbedeckungen, liebe 1001 Modebloggerinnen.

    Verzweiflung trieft aus ihren Kunstwimpernbeklebten Augenhöhlen. „Nein, Pink Autumn, die Verlängerung war teuer, jede Flüssigkeit könnte das Ende dieser einzeln angebrachten Härchen sein.“ Hektisch blickend, angsterfüllt den nächsten Trend zu verpassen durchsuchen Pink Autumn und Fluffy White Trousers die On- und Offline-Boutiquen dieser Welt wie ein Eichhörnchen den angefrorenen Januarboden. Doch die Tarnung der Modebloggerinnen ist nicht halb so gut wie die von Erwin und Puschel. Denn mit übergroßen Kopfbedeckungen erinnern sie schon aus 200 Valentino-Rockstud-Schritten Entfernung an den verschrobenen Zauberer, der gleich ein zitterndes Karnickel aus dem Hut zaubert. Aufgefallen ist mir das mehr denn je in Paris. Ich verbrachte vier wunderschöne Tage mit meinem Liebsten in Frankreichs Hauptstadt,…

  • Berlin

    Ich suche einen Nachmieter, der mir meinen gesamten Hausrat abnimmt, bei dem ich das Graffiti nicht übermalen muss und der mir für all diese unerledigten Tätigkeiten noch einen großen Schein rüberschiebt.

    Der Berliner Wohnungsmarkt gleicht einer kargen und staubigen Ödnis, wo hier und da ein verdörrter Baum den Blick stört und manchmal auch eine fies grinsende Hyäne vorbeischaut, die darauf wartet, dass du endlich aufgibst. Doch was erzähle ich, das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, hier eine Wohnung zu finden. von Graf Umarov; commons.wikimedia.org Doch die Hyänen haben sich zu noch unangenehmeren Zeitgenossen entwickelt. Da die Makler jetzt keine 1,5 Tausend Euro für das Aufschließen der Wohnräume und ein „Hier, die Infos stehen auf dem Exposé“ verlangen dürfen, ist ihre Motivation auf dem endgültigen Tiefpunkt angelangt. Denn der nervige Neu-Mieter, welcher sich auch noch erdreistet Fragen zu stellen, zahlt einem…

  • Berlin

    Victoria – ein Film mit vier Substantiven in Trainingsanzügen. Teilweise mit Sprachfehler oder Minnie Mouse Haarreifen in der Frisur.

    Es gibt Filme, bei denen bin ich mir nicht sicher, ob die anderen Zuschauer den selben Film sehen wie ich. „Victoria“ ist so ein Film. Dieser Film zieht Hollywood in seinen Bann und lässt das Publikum kichernd und johlend im Kinosessel versinken. Alle und jeder, der auch gar nichts davon weiß, sprechen über dieses Stück Berliner Nacht, gebannt auf einer SD-Karte. Mit mir hat niemand über diesen Film gesprochen. Ich wurde angelockt von diversen himmelhochlobenden Kritiken und einem vielversprechenden Trailer. Versprochen hatte ich mir von „Victoria“ eine mitreißende und auch spannende Geschichte aus einer Berliner Nacht, die trotzdem im Rahmen des real Möglichen geschieht. Dass die Hauptrollen nicht aus der…

  • Berlin

    Wenn sich in Berlin nicht mehr nur die Touristen danebenbenehmen, sondern auch die lieben Nachbarn aus Brandenburg

    Gestern Nacht, halb eins, Berlin Mitte: Geflohen aus einer Bar und vor einer Horde Mädchen, die ihren männlichen Begleitern ein „Du spinnst doch! Zu dick! Du bist doch suuuuperschlank!“ abringen wollten, nahmen wir die fünfminütige Wanderung auf den Prenzlauer Berg auf uns. Vorbei an der wunderschönen Zionskirche begegnete uns ein Mann, der mit dem Rücken zur Hauswand gedreht war. Zwischen seinen ausgelatschten Treten ergoss sich langsam aber stet ein See. Ich starrte ihn an und unterbreitete ihm fassungslos folgenden Vorschlag: „Nicht dein Ernst! Wenn du dich einmal umdrehst, steht da ein Baum. Auch das wäre nicht sehr schön, wenn du in der Öffentlichkeit, in einer Gegend mit vielen Kindern gegen…

  • Berlin

    Die Flitzpiepe mit dem Döner in der Hand und dem Liter Wodka im Magen, bitte in den letzten Waggon!

    Natürlich lebt das wundervolle Berlin mit über 10 Milliarden Euro Einnahmen vom florierenden Tourismus. Er schafft Arbeitsplätze und bietet auch den Berlinern ein breites Spektrum an Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. von Dirk Vorderstraße , via Wikimedia Commons Doch wenn man sich am Wochenende nach 23 Uhr mit der Bahn durch Berlin bewegt, wird einem eines klar: Berlin ist für viele da, um über die Stränge schlagen zu dürfen. Frei nach dem alltbekannten Motto: Was in Berlin passiert, bleibt auch in Berlin. Damit sind leider nicht nur die Liebschaften mit den vergessenen Vornamen gemeint, sondern auch so mancher touristische Mageninhalt. Denn dieser wird häufig an einem gut besuchten U-Bahnhof wahlweise…

  • Berlin

    Berlin ist… voll. Sehr voll.

    Berlin ist… samstags kein Shampoo kaufen zu können, weil sich knappe 20.000 Touristen auf dem 500 m langen Weg zwischen dir und deinem Rossmann befinden. von Wikimedia Oder einfach weil mal wieder irgendjemand für irgendwas demonstriert.

  • Mode

    Der aufhaltsame Aufstieg der Gesundheitslatsche – Das Comeback der Birkenstocks

    Ein neues It-Piece, ein Mode-Must-Have, ein heißes Teil der Saison wurde vor einigen Wochen geboren. In die Welt gesetzt von Modezeitschriften, den Primarks der Nation und Fashionstrecken in führenden Magazinen. Die Birkenstock werden aus ihrem düsteren Versteck namens Zuhause gelassen und dürfen an die frische Luft. Es gab eine Zeit, da versteckte man seine Birkenstock vor dem nahenden Besuch noch schnell im Abstellkämmerchen. Man wollte sein Date nicht über die Gesundheitslatschen stolpern lassen und damit jegliche zukünftige sexuelle Interaktionen verhindern. Natürlich sind Birkenstock eine Wohltat für jeden Pumps geplagten Ballen. Dieses Gefühl, wenn man vom zehn Zentimeter hohen Zenit der Rückenschädigung in das vorgeformte Fußbett gleitet, kommt dem Genuss eines…