Euer Hochmut steht euch genauso schlecht wie eure Kopfbedeckungen, liebe 1001 Modebloggerinnen.

Verzweiflung trieft aus ihren Kunstwimpernbeklebten Augenhöhlen.
„Nein, Pink Autumn, die Verlängerung war teuer, jede Flüssigkeit könnte das Ende dieser einzeln angebrachten Härchen sein.“ Hektisch blickend, angsterfüllt den nächsten Trend zu verpassen durchsuchen Pink Autumn und Fluffy White Trousers die On- und Offline-Boutiquen dieser Welt wie ein Eichhörnchen den angefrorenen Januarboden. Doch die Tarnung der Modebloggerinnen ist nicht halb so gut wie die von Erwin und Puschel. Denn mit übergroßen Kopfbedeckungen erinnern sie schon aus 200 Valentino-Rockstud-Schritten Entfernung an den verschrobenen Zauberer, der gleich ein zitterndes Karnickel aus dem Hut zaubert.
Aufgefallen ist mir das mehr denn je in Paris. Ich verbrachte vier wunderschöne Tage mit meinem Liebsten in Frankreichs Hauptstadt, leider ausgerechnet zu den Modeschauen. Mit etwas Geschick umschifften wir die größten Fashion-Victim-Rotten. Doch in der ein oder anderen Brasserie war es nicht zu leugnen: die selbst ernannten Fashion-Königinnen nahmen Paris unter ihre Schreckensherrschaft. Viel zu schmale Mädchen wurden von Elefantenkopf-großen Fedoras durch die Pariser Straßen getragen. Überall thronten diese überdimensionalen Pappkartons auf den frisch ombréierten Köpfen.
Quelle: asos.de
Dieser Hut ist ein Accessoire gewordenes Symbol für die Maskierung vieler Fashionbloggerinnen. Um ehrlich zu sein: Modeblogs interessieren mich einen feuchten Kehricht. Zu Recherchezwecken habe ich mich schon einige Stunden in diesen Klamotten-Tagebüchern herumgetrieben. Doch die meisten von ihnen demonstrieren nur minimale Interpretationen einer Trend-Tracht. Und auch in Realität sehen diese Mädchen wie kostümierte Kaufsüchtige aus. Sie degradieren sich zu Werbeflächen für vermeintliche It-Pieces um sie in der breiten Masse zu etablieren. Würden diese Mädchen nicht den Anspruch auf Innovation erheben, sehe die ganze Maskerade schon viel glaubwürdiger aus. Doch viele Modebloggerinnen spielen Fasching und verkleiden sich als modisches (angeblich) Novum mit einer Prise zu viel Arroganz.

 

Quelle: https://www.ssense.com/en-us/women/product/acne-studios/gold-metallic-adriana-sneakers/597703

 

Habe Anstand Weib und blicke mit solchen güldenen, melancholischen Blechbüchsen an den Füßen nicht abschätzig auf eine junge Frau mit Baskenmütze herab. Natürlich lässt sich über Geschmack streiten (obwohl ich in den Raum werfen möchte, dass diese Außerirdischen-Vertreibungs-Treter in einem Jahr nicht mehr von seiner Besitzerin ausgeführt werden, weil sie ihr nach dem Trend auch nicht mehr gefallen werden).
Man kann aber die Egozentrik und Selbstbeweihräucherung dieser Frauen diskutieren. Sie erfinden das Rad nicht neu. Sie tragen nur Kleidung, die meist weder schön noch faszinierend kombiniert wird. Schwingt euch von eurem meterhohen Fashion-Gaul und begegnet Menschen ohne Pharrell-Williams-Lookalike-Ambitionen auf einer Ebene. Räumt nicht Paris’ oder Berlins Hip-Boutiquen leer. Versucht es doch mal mit Stil. Einer Prise Eleganz oder Natürlichkeit. Dann outet ihr euch auch nicht schon von weitem als jemand, der durch das Auftragen von Trends Anerkennung sucht.

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.