Ich suche einen Nachmieter, der mir meinen gesamten Hausrat abnimmt, bei dem ich das Graffiti nicht übermalen muss und der mir für all diese unerledigten Tätigkeiten noch einen großen Schein rüberschiebt.

Der Berliner Wohnungsmarkt gleicht
einer kargen und staubigen Ödnis, wo hier und da ein verdörrter
Baum den Blick stört und manchmal auch eine fies grinsende Hyäne
vorbeischaut, die darauf wartet, dass du endlich aufgibst. Doch was
erzähle ich, das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, hier
eine Wohnung zu finden.
von Graf Umarov; commons.wikimedia.org
Doch die Hyänen haben sich zu noch
unangenehmeren Zeitgenossen entwickelt. Da die Makler jetzt keine 1,5
Tausend Euro für das Aufschließen der Wohnräume und ein „Hier,
die Infos stehen auf dem Exposé“ verlangen dürfen, ist ihre
Motivation auf dem endgültigen Tiefpunkt angelangt. Denn der nervige
Neu-Mieter, welcher sich auch noch erdreistet Fragen zu stellen,
zahlt einem nicht mehr die horrende Courtage. Da muss man sich das
Mindestmaß an Freundlichkeit auch nicht mehr von den Lippen lügen.
von Ion Tichy; commons.wikimedia.org
„Sie stoßen sich den Kopf an der
1,50m hohen Badezimmertür? Seien Sie doch mal etwas lässiger, bei
so einem Traumobjekt!“ Auf die Frage, was das denn für schwarzen
Flecken hinter der sich ablösenden Tapete seien (dass jemand eine
völlig verschimmelte Bude für 600 Euro kalt vermietet habe ich
nicht zu denken gewagt), kam die Kinnladeaufklappende Antwort: „Das
ist eine Außenwand.“ Das ist eine schöne Info, interessiert mich
bei einem erhöhten Aufkommen von schimmeligen Sporen aber herzlich
wenig.
Doch nun kreisen auch noch die Geier
tiefer. Das, woraus die Hyäne keinen Profit schlagen kann, macht der
Aasgeier noch zu Geld. Einige Vormieter wollen scheinbar gar nicht
umziehen, sondern nur den Wohnort wechseln. Sie überlassen einem
gnädigerweise all ihre abgewohnten Pressholzkonstruktionen und
möchten dafür auch noch Dank und Bares. Ich möchte keine bösen
Unterstellungen verbreiten. Aber es erscheint mir schon sehr
unglaubwürdig, dass jeder dritte vor maximal einem Jahr eine neue
Küche hat einbauen lassen, die auch kaum benutzt sein soll. Teils
sogar vom Tischler maßangefertigt, fristen diese zweischränkigen
Kochnischen ihr Dasein und wollen für nur schlappe 2000 Euro
übernommen werden.
Manche bauen ganze Saunen in ihre 400
Euro Wohnungen. Da kann ein Abstand von 10.000 doch schon mal den
Besitzer wechseln.
Unverschämt und zu faul, das Ikea Bett
bei ebay Kleinanzeigen anzubieten. Wer freut sich denn über
hässliche 0815 Einrichtung, die die Wohnung verstopft und entweder
erst noch verkauft oder beim Müllhof abgegeben werden muss?
1000 € für nichts. Aber bitte sofort mitbringen.

Vormieter machen es sich in vielen
Fällen so leicht wie nur irgend möglich. Und das auf Kosten des
Nachmieters. Vielleicht sollten sich die werten Vormieter in
Erinnerung rufen, dass sie selbst ja auch Nachmieter sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.