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Warum gewinnen immer die Dünnen? – Germany’s next Topmodel vs. Curvy Supermodel

Heute Abend geht es wieder los: die 14. Staffel von GNTM catwalkt sich über die heimischen Flachbildfernseher. Auf den ersten Blick wird wieder das altbekannte, superschlanke Bild bedient. Waren die beiden „Curvy-Kandidatinnen“ im letzten wohl nur ein Ausrutscher. Doch einen Platz für Curvy Models in der Öffentlichkeit wollte RTLII mit „Curvy Supermodel schaffen. Drei Staffeln, drei Versuche ein Gegenentwurf zu GNTM zu sein.

Curvy Supermodel ist Geschichte. Ende letzten Jahres erteilte der RTLII-Programmdirekter dem kurvigen Modelformat den Todesstoß. Zu schlechte Kritiken, zu wenig Zuschauer. Doch woran liegt es, dass sich Curvy Supermodel keine Prosecco-trinkende Stammzuschauerin erarbeiten konnte? 

Germany’s next Topmodel

Bei GNTM ist jede Folge wie ein großes Event: durch die Sendung führt uns die supererfolgreiche Modelmutti Heidi Klum, die es als eine der ganz wenigen in dem weit enfernten Hollywood zu etwas gebracht hat. Die blonde, bodenständige Bergisch-Gladbacherin, die mit Mel B. und Gisele Bündchen auf du und du ist. Ein Star, der sich um seine Mädchen (scheinbar) fürsorglich kümmert und gleichzeitig ohne mit der Wimper zu zucken die niederschmetterndste Kritik auf Model-Erden einer 17-Jährigen um die hübschen Öhrchen hauen kann. Kontraste, die es in sich haben.  

Weite Reisen, unglaubliche Makeups, spektakuläre Outfits, künstlerische Shootings und einzigartige Locations. Und obendrauf noch echte(!) Stars. Dicke Tränen kullern die perfekten Wangenknochen der Kandidatinnen hinunter, wenn sie sich wieder waghalsigen Mutproben stellen müssen. Und trotzdem kommt die Sendezeit für die Freundschaften und Eifersüchteleien unter den Models nie zu kurz.

Curvy Supermodel

Kommen wir zum kurvigen Pendant: durch Curvy Supermodel manövrierte uns Deutschlands bekanntestes Curvy Model Angelina Kirsch, eine blonde Erscheinung mitten aus dem hohen Norden. Doch ohne ihren Erfolg abwerten zu wollen: sie ist auch das einzige Model mit 44er Konfektion, welches man in Deutschland namentlich kennt. Vielleicht ist dem ein oder anderen noch Sarina Nowack ein Begriff, doch die stammt, welch Witz, aus Heidis Kaderschmiede. Somit ist Angelina die einzig richtige, aber auch mögliche Wahl für den Posten als Chefjurorin eines Castingformats für Curvy Models gewesen. Auch Angelina kann mit Witz und Bodenständigkeit punkten, doch fehlt ihr der Übersee-Zauber, den Heidi Klum versprüht und eben sehr viele Menschen vor den Fernseher zieht.

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Keines der Reiseziele verlässt Europa und sowohl die kargen Drehlocations, als auch die wenig aufsehenerregenden Outfits lassen den Zuschauer Glanz und Gloria vermissen. Ein wenig peinlich berührendes Regenschirm-Getanze noch obendrauf und das anvisierte Zielpublikum schaltet irritiert weg. Teilweise beschleicht einen auch das Gefühl, dass die Produktion gar nicht versucht die Kandidatinnen möglichst gut aussehen zu lassen. (Oder warum serviert das Catering einen Abend vor einem Bikiniauftritt Weißkrautsalat?) Oder hat jemand von euch Ashley Graham, Iskra Lawrence oder eben Angelina Kirsch je in mit einem 1,5-Meter großen Hut zu fliederfarbenen-Oma-Etuikleid gesehen?

Außerdem reicht die Anzahl der Folgen nicht aus, um eine „persönliche“ Beziehung zwischen Zuschauer und Kandidatin herzustellen. Bevor man sich überhaupt einen Namen merken kann, ist das Finale auch schon gesendet. 

https://www.instagram.com/p/Bl_RX_AnX5B/

Warum gewinnen immer die Dünnen?

Ich glaube nicht, dass Curvy Supermodel daran gescheitert ist, dass Deutschland keine Lust auf kurvig geformte Körper im TV hat. Die meisten vermissen die Diversität von Körperformen im Fernsehen! Weder Angelina noch den Kandidatinnen kann man hier den schwarzen Peter zuschieben. Die Mädels waren natürlich, wunderschön und sehr sympathisch. Doch die Umsetzung des Formats platt wie eine Flunder, das Drumherum zu abgespeckt und simpel, die Popularität des Senders zu gering und das Ziel der Produktionsfirma zu niedrig gesteckt. Curvy Supermodel bewegte sich stets zwischen dem Traum in den Modelolymp emporzusteigen und der doch sehr unglamourösen Realität. Es hat sich weder für die authentische „Körperpositive“, noch für die glitzernde Scheinwelt entschieden und ist daran gescheitert.

SO kann Curvy auch vermarktet werden.

GNTM hingegen ist so ganz anders als deutsches Fernsehen sonst. Es versprüht Professionalität, Unerreichbarkeit und setzt die Kandidatinnen ganz gewollt auf ein Podest. Jedes Haar sitzt perfekt an Ort und Stelle und schlecht aufgeklebte Fake Lashes sucht man hier vergebens. Es gibt Glamour, Emotionen und DEN großen Traum. Es ist durchkomponiert von A bis Z. Nichts wird dem Zufall überlassen. Es ist ein perfekt unterhaltendes Format. Ganz unabhängig davon, ob das dort vermittelte und doch sehr einseitige Körperbild erstrebenswert ist. 

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