Die Verwirrung, Scham und der Stolz eine Frau zu sein – Lykke Li singt wieder

Lykke Li beweist uns, dass Kunst seine Zeit benötigt. Diesen in 5 Minuten hingeklierten Pappalben  à la Christina Aguilera und Rihanna, die im Jahresrhythmus ihren neuen Platz in den Charts finden, aber genauso schnell auch wieder vergessen werden, bin ich einfach überdrüssig.
Es wird alles daran gesetzt, soviel Geld wie möglich aus den Beyoncé-Eseln zu melken, dass die Bedeutung der einzelnen Alben völlig verliert.
Ich würde nie eines dieser Alben, als eine besondere oder gar meine Lieblingsplatte bezeichnen.

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von michell zappa from São Paulo, Brazil (Lykke Li @ Paradiso) [CC-BY-SA-2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Aber Lykke Li fasziniert mich immer wieder aufs neue. Aber nicht auf eine “Ich spring mal auf den Independent-Music Hipster Zug in den ewigen Jutebeutel auf” – Weise. Diese Verstümmelung eines Liedes in Form des Remixes, welcher zur Champions League durch die Stadien tönte und diese einschläfernde Jaul-Version, des auf Teetassen kloppenden Triggerfingers, waren der Graus schlechthin.

Aber Lykke Li schafft es mit ihrem neuen Song mich aus dem Tal der musikalischen Lieblingslieder-Vergewaltigung zu holen.
Mit “Love me like I’m not made of stone” drückt sie wieder einmal die Verzweiflung, Verwirrung und Hoffnung aus, die ich ihr so sehr nachempfinden kann. Der Stolz und die Scham gehen beim Frausein miteinander her. Sagt Lykke. Und ich stimme ihr zu.

Wenn sie mit ihrer sonor vibrierenden Stimme, die manchmal auch ein kleines Mädchen offenbahrt, all ihre Enttäuschung, Hilflosigkeit und den Ruf nach Liebe aus sich heraussingt, bleibt nur das Verstehen im mit-ihr- Fühlen.

Love me like I’m not made of stone
 

Auch ihr völlig reduziertes Video, lässt mich ihr Respekt zollen. Sie muss nicht halbnackt über Bauschutt wackeln oder sich ihr Steak vom Vortag um die Schultern legen. Sich selbst so ehrlich zu zeigen, und einfach nur das Gefühl wirken zu lassen, kann ein Risiko sein. Aber vielleicht möchte sie auch nur diesen intimen Anschein erwecken.
Doch glauben, tue ich ihr voll und ganz.

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