Das Grauen der Kindheit kehrt zurück

Es begab sich zu einer Zeit, da nahte
die Jahrtausendwende. Scharen von Grundschülern diskutieren hitzig
mit ihren Eltern. Der Streitpunkt: Der Turnbeutel. Millionen von
Kindern wollen nicht weiter von der Gesellschaft für dieses
hässliche und unbequeme Ungetüm von Transportsäckchen geächtet
werden. Denn wenn schon ein Paar Kinderturnschuhe der Größe 35
dieses Ding der Scheußlichkeit fast zum zerbersten bringen, kann man
schwerlich von einem Raumwunder sprechen.
Also kämpfte meine Generation
standhaft und voller Hass gegen diese zwei Lappen Stoff zwischen zwei
Schnüren.
Was liegt dann wohl näher, als ein
einige Jahre später den Turnbeutel neu aufzulegen und ihn als das
Must-Have zu verkaufen? Ich musste den Anblick zwar schon öfter an
dem ein oder anderen Hipster ertragen, aber das ganze hielt sich in
Grenzen. Nun muss ich doch tatsächlich darum bangen, dass mir der
Stoff aus den Albträumen damaliger Drittklässler öfter als alle
vier Tage über den Weg läuft. Und dass, wenn ich ganz großes
Riesenpech habe, diese Farce einen vergleichbaren Hype wie diese
Leggins auslöst. Nicht unbedingt förderlich ist es, dass Taff schon
fleißig Werbung für die Dinger namens „Treksac“ macht. Gut, man
kann Taff natürlich in geschmacklichen Fragen nicht vertrauen, aber
dass die Redaktion so betäubt von schlechtem Stil zu sein scheint,
wollte ich bis jetzt nicht wahrhaben. Und nicht nur die Form ist
originalgetreu ätzend, sondern das ganze wird noch von dämlichen
„Jippie, wir sind so cool und unser Lebensinhalt ist Feiern gehen
und flach über Tiefgründiges zu schwafeln“ – Aufdrucken getoppt.
Diese „ich bin zu cool für diese Welt“ – Attitüde wird dann
auch noch dadurch unterstrichen, dass man den Namen an so etwas
unschönes wie die Beleidigung ‘Dreckssack’ anlehnt.
Verdammt.

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