• Berlin,  Gesellschaft

    Berlin, mach mich nicht mürbe…

    Berlin, Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten gaukelst du uns vor.  Sei jung, wild und frei! Auch wenn du schon 43 bist.  Du lässt mich erlahmen. Du machst mich mürbe.    Dein Lieblings-Lokal wechselt abrupt den Besitzer, die Sour Creme von Block House ist laut deiner Rewe-Mitarbeiterin nur ein Sommerprodukt  und das abgefahrene Street-Food-Mobil steht mal wieder an einem völlig unerreichbaren Ort.  Du hast die Wahl: quälst du dich eine Stunde lang 10 km mit dem Auto durch die Stadt oder nimmst du die chronisch überfüllte S-Bahn. Hier blüht dir entweder eine in dein Gesicht gedrückte, bestimmt nicht frisch gewaschene Achsel oder der gut getarnte Mate-See auf dem letzten freien Sitzplatz.   Wenn nicht…

  • Berlin,  Gesellschaft

    Zehn Minuten Berlin

    Der Wind weht lau an diesem Freitagmorgen. Die Sonne verheißt einen flirrendwarmen, sommerlichen Tag. Ich nehme den Weg durch den angrenzenden Park, denn ich möchte an diesem unschuldigen Morgen die mehrspurige Hauptstraße und das besetzte Haus auf der linken Seite umgehen.  Auf dem Platz vor dem Park begegne ich einem Obdachlosen. In seiner Wange, seinem Kinn und seinen Nasenflügeln hat er münzgroße Löcher. Er liegt nicht auf sondern hinter seiner Stammparkbank auf dem steinigen Boden. Er beobachtet die vorbeiziehenden Wolkenfelder, doch sein Gesicht sieht man kaum, denn seine schwarzen Dreadlocks hängen ihm tief ins Gesicht. Trotz der milden Temperaturen hat er seine dunkle Wollmütze bis zu den Augen heruntergezogen. Auf…

  • Berlin,  Gesellschaft

    Ein Lächeln ist wertvoller als jeder Groll dich cool, tough und so Berlin machen kann.

    Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Berliner genervt sein wollen. Dass sie denken, sie müssten sich diesen kosmopolitisch bewährten Stress aneignen um ein wahrer Großstädter zu sein. Ich saß vor einer Woche in einer mäßig gefüllten S1, der nächste Halt: Potsdamer Platz. Eine Klasse Zweitklässler steigt mit mehreren Lehrerinnen in den Zug. Die bemühte Aufpasserin versuchte möglichst ruhig alle Kinder auf Sitzen zu platzieren, damit sie niemandem im Weg stehen und die Schüler beim Anfahren der Bahn nicht wie Lottokugeln durch den Waggon purzeln. Eine Mitte 40 Jahre alte Färbe-Blondine besetzte mit ihrer Handtasche einen freien Sitzplatz direkt am Eingang. Mit einem freundlichen Lächeln fragte die Lehrerin, ob sie…

  • Berlin,  Gesellschaft,  Mode

    Euer Hochmut steht euch genauso schlecht wie eure Kopfbedeckungen, liebe 1001 Modebloggerinnen.

    Verzweiflung trieft aus ihren Kunstwimpernbeklebten Augenhöhlen. „Nein, Pink Autumn, die Verlängerung war teuer, jede Flüssigkeit könnte das Ende dieser einzeln angebrachten Härchen sein.“ Hektisch blickend, angsterfüllt den nächsten Trend zu verpassen durchsuchen Pink Autumn und Fluffy White Trousers die On- und Offline-Boutiquen dieser Welt wie ein Eichhörnchen den angefrorenen Januarboden. Doch die Tarnung der Modebloggerinnen ist nicht halb so gut wie die von Erwin und Puschel. Denn mit übergroßen Kopfbedeckungen erinnern sie schon aus 200 Valentino-Rockstud-Schritten Entfernung an den verschrobenen Zauberer, der gleich ein zitterndes Karnickel aus dem Hut zaubert. Aufgefallen ist mir das mehr denn je in Paris. Ich verbrachte vier wunderschöne Tage mit meinem Liebsten in Frankreichs Hauptstadt,…

  • Berlin

    Ich suche einen Nachmieter, der mir meinen gesamten Hausrat abnimmt, bei dem ich das Graffiti nicht übermalen muss und der mir für all diese unerledigten Tätigkeiten noch einen großen Schein rüberschiebt.

    Der Berliner Wohnungsmarkt gleicht einer kargen und staubigen Ödnis, wo hier und da ein verdörrter Baum den Blick stört und manchmal auch eine fies grinsende Hyäne vorbeischaut, die darauf wartet, dass du endlich aufgibst. Doch was erzähle ich, das weiß jeder, der schon einmal versucht hat, hier eine Wohnung zu finden. von Graf Umarov; commons.wikimedia.org Doch die Hyänen haben sich zu noch unangenehmeren Zeitgenossen entwickelt. Da die Makler jetzt keine 1,5 Tausend Euro für das Aufschließen der Wohnräume und ein „Hier, die Infos stehen auf dem Exposé“ verlangen dürfen, ist ihre Motivation auf dem endgültigen Tiefpunkt angelangt. Denn der nervige Neu-Mieter, welcher sich auch noch erdreistet Fragen zu stellen, zahlt einem…

  • Berlin

    Victoria – ein Film mit vier Substantiven in Trainingsanzügen. Teilweise mit Sprachfehler oder Minnie Mouse Haarreifen in der Frisur.

    Es gibt Filme, bei denen bin ich mir nicht sicher, ob die anderen Zuschauer den selben Film sehen wie ich. „Victoria“ ist so ein Film. Dieser Film zieht Hollywood in seinen Bann und lässt das Publikum kichernd und johlend im Kinosessel versinken. Alle und jeder, der auch gar nichts davon weiß, sprechen über dieses Stück Berliner Nacht, gebannt auf einer SD-Karte. Mit mir hat niemand über diesen Film gesprochen. Ich wurde angelockt von diversen himmelhochlobenden Kritiken und einem vielversprechenden Trailer. Versprochen hatte ich mir von „Victoria“ eine mitreißende und auch spannende Geschichte aus einer Berliner Nacht, die trotzdem im Rahmen des real Möglichen geschieht. Dass die Hauptrollen nicht aus der…

  • Berlin

    Entschuldige, aber ich möchte lieber dem Professor folgen, anstatt Ausführungen über deine Saufeskapaden der letzten drei Tage lauschen zu müssen.

    Meine lieben Mitstudenten, das, was ich euch jetzt sagen möchte, wird euch wahrscheinlich nicht gefallen. Aber eure Respektlosigkeit schreit zum Himmel. Die Vorlesung findet von 10:15 Uhr bis 13:45 Uhr statt? Um halb zwölf zu erscheinen reicht doch! Und dann setzt ihr euch nicht leise an einen der nächsten freien Plätze, nein. Ihr lasst erst einmal die Tür mit einem Klapptisch-erschütternden ‘Rumms!’ ins Schloss fallen, lauft mit eurem to-go-Kaffeebecher quer durch den gesamten Hörsaal und packt dann in aller Seelen Ruhe euren Laptop aus. Manchmal kommt ihr auch zu zweit eine Stunde später in den Vorlesungsraum geschlurft und haltet ein kleines Pläuschchen am Sitzplatz. Die Blicke des fassungslosen Dozenten werden…

  • Berlin

    Wenn sich in Berlin nicht mehr nur die Touristen danebenbenehmen, sondern auch die lieben Nachbarn aus Brandenburg

    Gestern Nacht, halb eins, Berlin Mitte: Geflohen aus einer Bar und vor einer Horde Mädchen, die ihren männlichen Begleitern ein „Du spinnst doch! Zu dick! Du bist doch suuuuperschlank!“ abringen wollten, nahmen wir die fünfminütige Wanderung auf den Prenzlauer Berg auf uns. Vorbei an der wunderschönen Zionskirche begegnete uns ein Mann, der mit dem Rücken zur Hauswand gedreht war. Zwischen seinen ausgelatschten Treten ergoss sich langsam aber stet ein See. Ich starrte ihn an und unterbreitete ihm fassungslos folgenden Vorschlag: „Nicht dein Ernst! Wenn du dich einmal umdrehst, steht da ein Baum. Auch das wäre nicht sehr schön, wenn du in der Öffentlichkeit, in einer Gegend mit vielen Kindern gegen…

  • Berlin

    Die Flitzpiepe mit dem Döner in der Hand und dem Liter Wodka im Magen, bitte in den letzten Waggon!

    Natürlich lebt das wundervolle Berlin mit über 10 Milliarden Euro Einnahmen vom florierenden Tourismus. Er schafft Arbeitsplätze und bietet auch den Berlinern ein breites Spektrum an Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. von Dirk Vorderstraße , via Wikimedia Commons Doch wenn man sich am Wochenende nach 23 Uhr mit der Bahn durch Berlin bewegt, wird einem eines klar: Berlin ist für viele da, um über die Stränge schlagen zu dürfen. Frei nach dem alltbekannten Motto: Was in Berlin passiert, bleibt auch in Berlin. Damit sind leider nicht nur die Liebschaften mit den vergessenen Vornamen gemeint, sondern auch so mancher touristische Mageninhalt. Denn dieser wird häufig an einem gut besuchten U-Bahnhof wahlweise…

  • Berlin

    Berlin ist… voll. Sehr voll.

    Berlin ist… samstags kein Shampoo kaufen zu können, weil sich knappe 20.000 Touristen auf dem 500 m langen Weg zwischen dir und deinem Rossmann befinden. von Wikimedia Oder einfach weil mal wieder irgendjemand für irgendwas demonstriert.